Pferdedecken: Verstehen von Denier und Grammatur (die richtige Schutzwahl)
Bei Sellerie Bucéphale tauchen im Bereich Decken immer wieder zwei Fragen auf: „Was sind Denier?“ und „Welches Gewicht für welche Temperatur?“. Das sind zwei technisch unterschiedliche Begriffe, die oft in Produktbeschreibungen und Stallgesprächen verwechselt werden. Dieser Leitfaden konzentriert sich darauf: zu verstehen, was 600D, 1200D oder 1680D bedeuten, was 100, 200 oder 300 g abdecken und wie man beides je nach Verwendung kombiniert. Wenn Sie eher die großen Kategorien (wasserdicht, Stall, Trockner, Schweifschutz) unterscheiden möchten, beginnen Sie mit unserem Leitfaden „Trockner, wasserdicht oder Stall – wie wählen?“ und kommen dann für die technischen Details hierher zurück.
Denier (D): Was ist das und wozu dient es?
Der Denier ist eine Einheit, die die Dicke des Fadens beschreibt, der zum Weben der äußeren Hülle der Decke verwendet wird (technisch gesehen die Masse in Gramm von 9.000 Metern Faden). Praktisch gilt: Je höher die Denier-Zahl, desto dicker, dichter und widerstandsfähiger ist das Außenmaterial gegen Risse und Abrieb – Bissspuren, Brombeeren, Wälzen, Reibung an Zäunen oder Unterständen.
Diese Größenordnungen findet man häufig bei Außen-Decken:
| Denier (Hinweis) | Robustheit der Außenhülle | Pferdeprofil / Verwendung |
|---|---|---|
| 300D bis 600D | Leicht bis mittel | Ruhiges Pferd, mäßige Nutzung, Zwischensaison |
| 900D bis 1200D | Robust | Regelmäßiges Leben auf der Weide, aktives Pferd |
| 1680D | Sehr robust | Verspieltes Pferd / lebt draußen, raue Bedingungen, Herde |
Das ist die häufigste Verwechslung. Ein sehr widerstandsfähiges 1680D-Gewebe ist nicht „wasserdichter“ als ein 600D-Gewebe. Die Wasserdichtigkeit hängt von ganz anderen Faktoren ab: der wasserdichten Membran und den thermoverschweißten Nähten. Ein hoher Denier schützt vor Rissen; die Membran und die Nähte halten das Pferd trocken. Eine Decke kann also sehr robust sein, ohne die wasserdichteste zu sein, und umgekehrt.
Die Wasserdichtigkeit eines Textils wird durch einen technischen Test gemessen, die Wassersäule (oder hydrostatic head), angegeben in Millimetern: Es wird eine Wassersäule auf den Stoff aufgebracht und die Höhe gemessen, ab der das Wasser durchdringt. Als allgemeiner Anhaltspunkt für Pferdedecken: Die britischen Normen setzen ein Minimum von 1500 mm fest, damit ein Textil als wasserdicht gilt; mäßiger Regen übt etwa 1000 bis 2000 mm Druck aus, weshalb ein Textil mit Mindestwert bei starkem oder langanhaltendem Regen an seine Grenzen stoßen kann; eine im Alltag gut wasserdichte Decke liegt eher zwischen 3000 und 5000 mm, und einige Premium-Modelle überschreiten 10.000 mm. Dies sind generelle Richtwerte der Reittextilindustrie, keine Werte unserer Produkte: weder Horseware noch Back on Track geben eine konkrete Wassersäule auf ihren Produktblättern an. Für genaue Angaben zu einem bestimmten Modell fragen Sie uns, wir geben die Informationen des Herstellers weiter.
Ein weiterer nützlicher Anhaltspunkt: Der Denier betrifft vor allem Außen-Decken, bei denen die Hülle den Belastungen standhalten muss. Bei einer Stall-Decke kann das Außenmaterial ebenfalls einen Denier-Wert aufweisen (zum Beispiel eine 1000D Ripstop-Hülle bei einem hochwertigen Boxenmodell), aber die Anforderung an die Widerstandsfähigkeit ist hier geringer, da das Pferd geschützt ist.
Das Grammgewicht (g): die Wärme kommt von ihm
Das Grammgewicht wird in g/m² angegeben: es ist die Menge der isolierenden Füllung pro Quadratmeter (0, 100, 200, 300 g/m²…), und nicht das Gesamtgewicht der Decke. Es bestimmt die Wärme, die die Decke liefert: je höher die Zahl, desto besser isoliert die Decke.
- 0 g (ohne Füllung): keine zusätzliche Isolierung. Eine 0-g-Decke für draußen dient dazu, Regen und Wind in der Zwischensaison abzuhalten, ohne zu wärmen.
- 100 bis 150 g: leichte Isolierung, für kühle Tage.
- 200 g : mittlere Isolierung, für anhaltende Kälte.
- 300 g und mehr (350, 400 g…): starke Isolierung, für große Kälte oder geschorene und kälteempfindliche Pferde.
Grammgewicht und Temperatur: vorsichtige Richtwerte
| Indikatives Grammgewicht | Temperatur (Richtwert) | Allgemeiner Gebrauch |
|---|---|---|
| 0 g/m² | > 10–15 °C | Regen-/Windschutz, keine Wärmezufuhr |
| ~100 bis 150 g/m² | ≈ 5–10 °C | Kühl, wenig oder nicht geschorenes Pferd |
| ~200 g/m² | ≈ 0–5 °C | Anhaltende Kälte |
| ~300 g/m² und mehr | < 0 °C | Starke Kälte, geschorenes oder kälteempfindliches Pferd |
Das „richtige“ Grammgewicht hängt vom Pferd ab (geschoren oder nicht, Alter, Zustand, Gewicht), von seinem Unterstand, dem Wind und der Feuchtigkeit. Ein robustes, ungeschorenes und geschütztes Pferd reguliert sich selbst und verträgt deutlich niedrigere Temperaturen als diese Richtwerte. Umgekehrt benötigt ein geschorenes und exponiertes Pferd mehr. Im Zweifel sind mehrere modulare Schichten besser als eine sehr dicke Decke – und man überwacht die Wärme unter der Decke (Widerrist, Schulter): Ein Pferd, das darunter schwitzt, kühlt beim schlechten Trocknen aus.
Ein 300 g Box (nur Füllung, geschützt) wärmt nicht wie ein 300 g Turnout (zusätzlich mit einer winddichten Membran, die Wärmeverluste begrenzt). Man vergleicht das Grammgewicht nur zwischen Modellen derselben Familie, niemals zwischen einer Stall- und einer Außen-Decke.
Denier + Grammgewicht: wie man je nach Verwendung kombiniert
Sobald beide Begriffe verstanden sind, wird die Wahl logisch: Man kombiniert den Denier (je nach Exposition und Temperament des Pferdes) mit dem Grammgewicht (je nach Temperatur). Hier sind die häufigsten Fälle.
Auf der Weide, in der Zwischensaison (Regen, aber mild)
Man sucht einen Regen-/Windschutz ohne Wärme: eine Außendecke mit 0 g Füllung, mit einem Denier, der zum Temperament des Pferdes passt (600–900D für ruhige Pferde, 1200D und mehr für spielerische Pferde oder Herden). Wichtig ist hier die wasserdichte Membran, nicht die Füllung.
Auf der Weide im Winter
Man kombiniert eine robuste und wasserdichte Außenhülle (hoher Denier + Membran) mit einer Füllung, die der Kälte angepasst ist: 100 g für milde Winter, 200 g für anhaltende Kälte, 300–400 g für strengen Frost oder geschorene Pferde. Das ist das Gebiet der gefütterten Außendecken.
Im Stall / in der Box
Das Pferd ist geschützt: Wasserdichtigkeit ist nicht notwendig und der Denier tritt in den Hintergrund. Die Wahl erfolgt vor allem nach der Grammatur entsprechend der Stalltemperatur und der Empfindlichkeit des Pferdes – von einem einfachen Sommer- oder Übergangshemd ohne Füllung bis zu einer gut isolierenden Decke für den Winter.
Der Fall der Wellness-Textilien (Back on Track)
Einige Decken, wie die von Back on Track, lassen sich nicht nur durch ein klassisches Denier/Grammatur-Paar beschreiben. Sie kombinieren eine robuste Außenhülle (z. B. ein wasserdichtes 1680D-Gewebe) mit einem Welltex®-Futter: Laut Hersteller reflektiert dieses Gewebe langwellige Infrarotstrahlung, die die Blutzirkulation anregen soll. Diese Behauptung stammt vom Hersteller und ersetzt keine tierärztliche Beratung; bei akuten Entzündungen, Hitze oder frischen Schwellungen sollte man solche Textilien vermeiden. Hinweis: Eine Back on Track Decke wird also nicht nur nach Grammatur gewählt, sondern auch wegen dieser beanspruchten muskelentspannenden Funktion.
Unsere Decken, angezeigte Denier und Grammaturen
Hier eine Auswahl von Modellen, deren Datenblatt klar Denier und/oder Grammatur angibt – praktisch, um Größenordnungen zu visualisieren. Wir bevorzugen hier Horseware (Amigo® und Rambo® Serien) und Back on Track.
Außendecken: Kombination aus Denier und Grammatur
Etiketten lesen: „Amigo® 1200D 100g“ = Polyesterhülle 1200 Denier (robust) + Füllung 100 g (leichte Isolierung). Die Frost 1680D kombiniert ein 1680D-Gewebe mit einem Welltex®-Futter: Laut Marke reflektiert dieses Textil langwellige Infrarotstrahlung, die die Durchblutung fördern soll – über die reine Grammatur hinaus.
Stall-Decke: zuerst die Grammatur
Von der 0g-Decke (Übergang, Sommer) bis zur gut isolierenden 400g-Decke (starke Kälte): die Box-Serie ermöglicht es, die Grammatur anzupassen, ohne sich um die Wasserdichtigkeit zu sorgen. Auswahl zum Zeitpunkt der Erstellung aktuell. Größen, Farben und Verfügbarkeiten ändern sich: Klicken Sie auf jedes Modell für den aktuellen Lagerstatus. Hinweis: Horseware-Decken (Amigo®, Rambo®) werden in Fuß/Zoll bestellt.
Um das gesamte Sortiment zu durchstöbern und Denier sowie Grammaturen zu vergleichen:
Unsicher wegen Denier oder Grammatur für Ihr Pferd?
Wir besprechen es gemeinsam, Pferd für Pferd, je nach seinem Leben und Ihrer Region.
FAQ
Ist der Denier (600D, 1200D, 1680D) ein Maß für die Wasserdichtigkeit?
Nein. Der Denier misst die Robustheit des Außenstoffs – seine Reiß- und Abriebfestigkeit. Je höher er ist, desto widerstandsfähiger ist die Hülle. Die Wasserdichtigkeit hängt hingegen von der Membran (Wassersäule in mm) und den thermoverschweißten Nähten ab. Ein 1680D-Gewebe ist nicht „wasserdichter“ als ein 600D: es ist nur widerstandsfähiger.
Was ist die „Wassersäule“ einer Decke?
Das ist die technische Messung der Wasserdichtigkeit eines Gewebes, angegeben in Millimetern: Man legt eine Wassersäule auf den Stoff und misst die Höhe, ab der Wasser durchdringt (sog. „hydrostatischer Kopf“-Test). Als grobe Orientierung in der Reitsportbranche: Mindestens 1500 mm, damit ein Stoff als wasserdicht gilt; guter täglicher Schutz liegt zwischen 3000 und 5000 mm; Premium-Modelle können über 10.000 mm erreichen. Das sind allgemeine Größenordnungen: Unsere Lieferanten Horseware und Back on Track geben keine genauen Werte pro Modell an – fragen Sie uns für genaue Infos zu einem bestimmten Produkt.
Ist ein höherer Denier immer besser?
Nicht unbedingt. Ein hoher Denier (1200D, 1680D) ist sinnvoll für ein verspieltes Pferd, in der Herde oder bei rauen Außenbedingungen. Für ein ruhiges Pferd mit moderater Nutzung reichen 600–900D und sind leichter. Den Denier wählt man nach Einsatz und Temperament, nicht „maximal“.
Welcher Temperatur entspricht das Flächengewicht?
Als grobe Orientierung: 0 g über 10–15 °C (Regen-/Windschutz ohne Wärme), 100–150 g bei 5–10 °C, 200 g bei 0–5 °C, 300 g und mehr unter 0 °C. Diese Bereiche hängen aber vom Pferd (Schur, Alter, Zustand), seinem Unterstand, Wind und Feuchtigkeit ab: es sind Richtwerte, keine festen Regeln.
Kann man das Flächengewicht zwischen einer Stall- und einer Outdoordecke vergleichen?
Nein. Das Flächengewicht ist nicht zwischen den Kategorien vergleichbar. 300 g bei einer Stall-Decke (nur Füllung, geschützt) wärmt nicht wie 300 g bei einer Outdoordecke, die eine winddichte Membran zur Wärmeisolation hat. Man vergleicht nur innerhalb derselben Familie.
Wie liest man ein Etikett wie „1200D 200g“?
Die erste Zahl ist der Denier (hier 1200D): die Robustheit der Außenhülle. Die zweite ist das Flächengewicht (hier 200 g): die isolierende Füllung, also die Wärme. „1200D 200g“ = widerstandsfähige Hülle + mittlere Isolierung für anhaltende Kälte.
Wählt man eine Back on Track-Decke nach dem Flächengewicht aus?
Nicht nur das. Diese Decken kombinieren eine Außenhülle (manchmal 1680D wasserdicht) mit einem Welltex®-Futter. Laut Hersteller reflektiert dieses Gewebe langwellige Infrarotstrahlung, die die Durchblutung anregen soll – eine Herstellerangabe, die keinen tierärztlichen Rat ersetzt. Sie sollten bei akuten Entzündungen, Hitze oder frischen Schwellungen vermieden werden. Die Wahl berücksichtigt also diese Komfortfunktion zusätzlich zum Flächengewicht.